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Husten im Hallenbad: Wenn die Bronchienempfindlich reagieren

  • wsf-mh12
  • 1. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Husten im Hallenbad ist nicht immer nur ein bisschen „Chlor in der Luft“. Manchmal ist er ein Hinweis darauf, dass die Bronchien überempfindlich reagieren. Medizinisch spricht man von bronchialer Hyperreagibilität. Das bedeutet: Die Atemwege reagieren stärker als üblich auf Reize – etwa körperliche Belastung, Infekte, Allergene, kalte Luft oder reizende Stoffe in der Umgebungsluft.





Beim Schwimmen fällt diese Überempfindlichkeit besonders leicht auf. Denn im Training wird viel Luft bewegt. Bei intensiven Serien steigt die Atemfrequenz deutlich an, die Atmung erfolgt überwiegend durch den Mund, und die Bronchien bekommen die Hallenbadluft ziemlich direkt ab. Wenn diese Luft zusätzlich reizend wirkt, kann das bei empfindlichen Atemwegen Husten, Brustenge oder pfeifende Atmung auslösen. Die Lunge ist eben kein Schwimmbrett: Man kann sie nicht einfach durch Benutzung abhärten.


Die Entstehung von Chloraminen wurde bereits im letzten Artikel erklärt. Für dieses Thema reicht der Hinweis: Reizende Stoffe in der Hallenbadluft können die Schleimhäute und die unteren Atemwege irritieren. Das Umweltbundesamt beschreibt Trichloramin in Hallenbädern als Stoff, der Reizungen an Augen, Nase, Rachen und unteren Atemwegen verursachen kann. Bei Menschen mit bronchialer Überempfindlichkeit kann daraus mehr werden als nur ein kurzes Kratzen im Hals.




Was ist bronchiale Überempfindlichkeit?


Bronchien sind keine starren Rohre. Sie können sich verengen, Schleim bilden und auf Reize reagieren. Bei einer bronchialen Hyperreagibilität passiert das schneller oder stärker als normal. Die Betroffenen merken das oft durch trockenen Husten, Räuspern, Engegefühl in der Brust, Luftnot oder pfeifende Atmung.


Diese Überempfindlichkeit kann bei Asthma vorkommen, aber auch nach Atemwegsinfekten vorübergehend bestehen. Viele kennen das: Der eigentliche Infekt ist vorbei, aber bei kalter Luft, Belastung oder Reizstoffen kommt der Husten wieder. Die Bronchien sind dann noch beleidigt – und zwar nicht still, sondern mit Kommentarspur.


Die Nationale Versorgungs-Leitlinie Asthma beschreibt Asthma unter anderem durch wechselnde Beschwerden wie Husten, Atemnot, Giemen und Brustenge sowie eine bronchiale Hyperreagibilität. Wichtig ist: Nicht jeder Husten bedeutet Asthma. Aber wiederkehrender Husten unter Belastung sollte auch nicht vorschnell als „normal“ abgehakt werden.



Belastungsasthma: Wenn Sport die Bronchien reizt

Wenn Beschwerden vor allem bei oder nach körperlicher Anstrengung auftreten, spricht man häufig von Belastungsasthma oder Anstrengungsasthma. Medizinisch genauer ist der Begriff belastungsinduzierte Bronchienverengung. Dabei ziehen sich die Bronchien im Zusammenhang mit körperlicher Belastung zusammen.


Typisch ist ein trockener Husten während oder nach dem Training. Manchmal treten die Beschwerden erst einige Minuten nach Belastungsende auf – also dann, wenn man eigentlich schon stolz aus dem Wasser steigen wollte. Dazu können Brustenge, pfeifende Atmung, Luftnot oder ein unerklärlicher Leistungsknick kommen.


Gerade Schwimmer übersehen das leicht. Denn Schwimmen gilt grundsätzlich als günstige Sportart bei Asthma: Die Luft ist warm und feucht, was oft angenehmer ist als kalte Winterluft beim Laufen. Das stimmt auch. Aber ein schlecht belüftetes Hallenbad mit reizender Luft kann für empfindliche Bronchien trotzdem problematisch sein.


Wann sollte man aufmerksam werden?

Ein einzelner Hustenreiz nach einer harten Serie ist noch kein Alarmzeichen. Verdächtig wird es, wenn sich ein Muster zeigt.


Aufmerksam werden sollte man bei:

• wiederkehrendem trockenem Husten beim oder nach dem Schwimmen,

• pfeifender Atmung,

• Engegefühl in der Brust,

• Luftnot trotz eigentlich guter Kondition,

• Beschwerden besonders bei intensiven Intervallen,

• Husten vor allem in bestimmten Hallenbädern,

• länger anhaltendem Husten nach Infekten,

• deutlichem Leistungseinbruch ohne klare Erklärung.


Besonders tückisch ist das sogenannte Cough-variant-Asthma. Dabei steht Husten im Vordergrund, während klassische Asthmasymptome wie pfeifende Atmung oder deutliche Luftnot fehlen können. Man hustet also – und wirkt ansonsten relativ fit. Genau deshalb wird diese Form leicht übersehen.



Was tun im Training?

Bei leichten, einmaligen Beschwerden reicht zunächst Beobachtung. Treten die

Beschwerden wiederholt auf, sollte man die Intensität reduzieren und das Muster

dokumentieren: Wann tritt der Husten auf? Bei welchen Serien? In welchem Bad? Nach Infekten? Bei hoher Beckenbelegung? Mit Augenbrennen oder Halskratzen?


Trainer sollten solche Beschwerden ernst nehmen. Ein Schwimmer mit Husten, Brustenge oder pfeifender Atmung braucht keinen kernigen Spruch aus der Motivationskiste, sondern eine vernünftige Einschätzung. „Zieh durch“ ist bei empfindlichen Bronchien ungefähr so sinnvoll wie „Atme halt besser“.


Sinnvoll ist ein gutes Aufwärmen mit langsamer Belastungssteigerung. Direkter Einstieg in harte Serien kann empfindliche Bronchien stärker reizen. Bei bekanntem Asthma sollte die Therapie überprüft werden, wenn Beschwerden unter Belastung auftreten. Häufig ist nicht der Sport das Problem, sondern eine unzureichende Kontrolle der Atemwege.



Wann zum Arzt?

Ärztlich abgeklärt werden sollten wiederkehrender Husten beim Sport, pfeifende Atmung, Brustenge, Luftnot, Beschwerden nach Infekten oder deutliche Leistungsminderung. Sinnvoll sind je nach Situation Lungenfunktion, Bronchodilatationstest, Belastungstest, Provokationstest und gegebenenfalls Allergiediagnostik.


Das Ziel ist nicht, jeden Huster zum medizinischen Großprojekt zu machen. Aber wer regelmäßig im Hallenbad hustet, sollte wissen, ob nur die Luft reizt – oder ob die Bronchien grundsätzlich überempfindlich reagieren.



Kurzfazit

Husten im Hallenbad ist häufig harmlos, aber nicht immer banal. Bei wiederkehrendem trockenem Husten, Brustenge, pfeifender Atmung oder Luftnot sollte an bronchiale Überempfindlichkeit oder Belastungsasthma gedacht werden. Sport ist dann nicht verboten. Im Gegenteil: Mit guter Abklärung, kluger Trainingssteuerung und gegebenenfalls passender Behandlung bleibt Schwimmen meist sehr gut möglich.


Oder kurz gesagt: Wenn die Bronchien bei jeder Sprintserie lauter kommentieren als der Trainer, sollte man ihnen zuhören.



Quellen:


 


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